Bilder Markoldendorf

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Markoldendorf

 

 

Die Marienkapelle

 

Die Kapelle St. Marien muss schon zur Gründungszeit des Fleckens (im 13. Jahrhundert n. Chr.) errichtet worden sein. Die Wetterfahne auf dem Turm der Marienkapelle zeigt in einer Eisenfassung eine Kupferblechdarstellung der Jungfrau Maria mit dem Kind auf einer Mondsichel, einen Hahn, sowie eine Jahreszahl 1664 (oder 1661?). Die Wetterfahne ist also älter als der „Neubau“ von 1779.

Am 23. November 1723 überstand sie als eines der wenigen Gebäude die verheerende Brandkatastrophe in Markoldendorf. Der Turm hatte den Brand unbeschadet überstanden. Nach 1770 wurde sie als „nicht mehr für den Gottesdienst brauchbar“ befunden. Beim Brandfest 1778 entschloss sich der damalige Kauf- und Handelsmann und Markoldendorfer Bürgermeister, Johann Heinrich Sander, diesen wichtigen Bau mit Vertrauen auf seinen Gott allein anzunehmen und auf eigene Kosten bauen zu lassen. Ohne die Unterstützung der Markoldendorfer Bürger wurde die Kapelle von ihm wieder errichtet.

Am 6. Juli 1779 begann der Abriss der alten Kapelle und unter öffentlichen Gebeten und Dankliedern wurde 18 Tage später der neue Grundstein gelegt. Die ganzen Maurerarbeiten sind mit Steinen der alten Kapelle ausgeführt worden. Kein Mitglied der Gemeinde hatte dem Erbauer Sander geholfen.

Das Richtfest fand am 21. September 1779 statt und bereits am 3. November konnte der erste Gottesdienst in der Kapelle gefeiert werden. Auf ausdrücklichen Wunsch Sanders wird nirgends, weder auf noch in der Kapelle, sein Name festgehalten. Zu Ehren des Erbauers der Marienkapelle, Johann Heinrich Sander, steht sein Grabmahl vor der Kapelle.

Die lateinische Inschrift auf dem Schlussstein über dem Eingang der Marienkapelle lautet: „Zur Zeit der frommen Fürsten Friedhelm und der Diener am Worte Gottes Gottfried Groschupf und Bernhard Conrad Ernst, des Bürgermeisters Ernst Wilhelm Crome wurde dieses Werk der Religion und nicht der Prunksucht, Gott und der evangelischen Kirche, im Jahre des Heils 1779 gegründet und erbaut.“

Das schlichte barocke Bauwerk lehnt sich im Osten an den alten gotischen Turmsockel an. Im Inneren finden wir einen Kanzelaltar und eine hölzerne Empore. Auf dieser wurde das wertvolle Orgelpositiv aufgestellt, das vorher in der Martinskirche stand und damit älter als der Kapellenneubau ist. Vermutlich stammt es aus der früheren Kapelle des Schlosses Rotenkirchen.

1921 erfolgten einige Umbauten, um das Gebäude als Gemeindesaal zu nutzen. Damals wurden Öfen gesetzt und elektrisches Licht gelegt. Nach 1945 wurde die Marienkapelle der katholischen Gemeinde als Kirche zur Verfügung gestellt. Jahrelang wurden katholische und evangelische Gottesdienste unter ihrem Dach gehalten. Der bauliche Zustand verschlechterte sich in diesen Jahren weiter, da seit 1921 kaum wesentliche Erhaltungsmaßnahmen möglich waren.

1957 bis 1961 war die Gemeinde fast nicht mehr in der Lage, das Gebäude zu halten und erwog ernsthaft den Verkauf. Wahrscheinlich wurde St. Marien nur gerettet, weil die Einrichtungen, insbesondere die Orgel unter Denkmalschutz standen. Immer weniger Gottesdienstbesucher, die schwierige Heizbarkeit und die Größe der Martinskirche brachten dann für die Marienkapelle die Lösung, so dass sie 1972 gründlich renoviert und modernisiert wurde.

Von 1988 bis 1989 hat das Landeskirchenamt sich bereit erklärt, die Kosten für eine grundlegende Instandsetzung der Marienkapelle zu tragen. Am 2. Juli 1990 begann die Innenrenovierung der Marienkapelle. Mit Abschluss der Renovierung werden keine weiteren Finanzmittel bereit gestellt. Die laufenden Kosten für die Marienkapelle sind der Kirchengemeinde zu finanzieren. Als Lösung dieser finanziellen Belastung wird seit 2005 die Einrichtung eines Kolumbariums geprüft. Seit Herbst ist die Marienkapelle wegen Einsturzgefahr des Daches „Betreten verboten“; Deckenbalken auf der Nord-Ost-Seite sind verfault.